Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am 10. September 2026 die zweite Erhöhung des Leitzinses innerhalb eines Jahres vorgenommen. Er wurde von ursprünglich 2,25 Prozent auf 2,5 Prozent angehoben. Ein Grund dafür ist die gestiegene Inflation im Euro-Raum, bedingt durch den Iran-Krieg.
Druck auf die EZB durch Inflation
Die Inflation, angeheizt durch den seit Ende Februar 2026 zwischen den USA und dem Iran schwelenden Krieg, verstärkt den Druck auf die Notenbank, für einen stabilen Euro zu sorgen. Das ist nur möglich, wenn die Inflation begrenzt werden kann.
Die Erhöhung des Leitzinses macht Kredite für Firmen und Privatpersonen teurer. Die Nachfrage kann dadurch gebremst und die Inflation gedämpft werden. Der Nachteil besteht jedoch darin, dass die Konjunktur bei einer zu starken Anhebung des Leitzinses abgewürgt werden könnte.
Die durch den Iran-Krieg entstandenen Engpässe bei der Versorgung mit Erdöl, Erdgas und anderen Rohstoffen aus dieser Region führte zu höheren Preisen für Öl und Gas. Ein weiterer Grund ist die weitgehende Blockade der Meerenge von Hormus aufgrund des Krieges.
Eine erste Schätzung der Statistikbehörde Eurostat ergab, dass die Verbraucherpreise im Euroraum im August 2026 um ungefähr 3,3 Prozent höher als im Vorjahresmonat lagen.
Endgültige Daten ergaben einen Wert von 3,2 Prozent. Laut der Eurostat-Schnellschätzung kletterte die Inflationsrate im September 2026 auf 3,8 Prozent – das war der höchste Wert seit September 2023.
Die größte Volkswirtschaft in Europa ist Deutschland. Die hohen Energiepreise verursachten im August 2026 eine Inflation von 2,9 Prozent; im September stieg sie laut den Prognosen des Statistischen Bundesamtes voraussichtlich auf 3,3 Prozent. Auch in Frankreich, Spanien und anderen großen EU-Ländern sind die Teuerungsraten hoch.
Die aktuell hohen Energiepreise erhöhen auch das Risiko steigender Preise für andere Waren. Lebensmittel können sich verteuern, da die Kosten für Transport und Kühlung steigen. Das Niedrigwasser am Rhein kann zu einer Verteuerung von Lieferungen führen.
Als Reaktion auf die hohe Inflation können die Löhne stärker ansteigen. Darin besteht der sogenannte Zweitrundeneffekt, den die EZB befürchtet. Die Preise könnten weiterhin steigen.
Folgen des steigenden Leitzinses für die Wirtschaft
Das höhere Zinsniveau führt für Unternehmen zu einer Verteuerung bei Investitionen. Seit Jahren sind die Investitionen in Deutschland rückläufig und ohnehin schon zu gering. Für die gegenwärtige Wirtschaftsschwäche ist das ein zentraler Faktor.
Unternehmen werden nicht nur durch das höhere Zinsniveau von neuen Investitionen abgehalten. Die Wirtschaft wird auch durch eine schlechte Infrastruktur, hohe Energiekosten, bürokratische Hürden, Fachkräftemangel und Kaufzurückhaltung der Verbraucher gelähmt.
Die Zinserhöhung ist aus Sicht vieler Volkswirte kein wesentlicher negativer Effekt auf die Unternehmen und auf die allgemeine Wirtschaftslage.

Höheres Zinsniveau als Vorteil für Sparer
Sparer profitieren von höheren Zinsen bei klassischen Geldanlagen wie Tages- und Festgeldkonten. Das Vergleichsportal Verivox nahm eine Analyse von mehr als 800 Banken und Sparkassen vor, die mit Stand vom 8. September 2026 ergab, dass bei befristeten Angeboten Zinsen von mehr als vier Prozent möglich sind.
Bei bundesweit verfügbaren Anlagen mit einer Laufzeit von zwei Jahren steigen die durchschnittlichen Festgeldzinsen auf 2,55 Prozent.
Höhere Kosten bei Verbraucherkrediten
Verbraucherkredite werden aufgrund der höheren Zinsen teurer. Wer einen Kredit für eine größere Anschaffung benötigt, sollte an die höheren Kosten denken.
Auch für Besitzer von Immobilien und für diejenigen, die an den Kauf einer Immobilie oder den Hausbau denken, kann die Erhöhung des Leitzinses nachteilig sein.
Klassische Baukredite, die bereits abgeschlossen wurden und deren Zinsbindung bei 10 bis 20 Jahren liegt, sind davon nicht betroffen. Für solche Kredite bleiben die Zinsen gleich.
Bei variablen Immobilienkrediten sieht es anders aus, da sich die Erhöhung des Leitzinses schnell bemerkbar macht. Diejenigen, die gerade eine Immobilie finanzieren möchten, sollten mit kleineren Zinsänderungen rechnen. Der durchschnittliche Bauzins liegt laut dem Baufinanzierungsvermittler Dr. Klein aktuell bei ungefähr 3,9 Prozent.
Der Bauzins ist von der Zinspolitik der EZB entkoppelt. In Deutschland orientiert er sich an den Renditen von zehnjährigen Bundesanleihen.
Schlechte Nachrichten für Aktien
Steigende Zinsen können zu Kursverlusten bei Aktien und anderen spekulativen Geldanlagen wie Fonds, in denen Aktien enthalten sind, führen. Das liegt darin, dass die höheren Kreditkosten die Umsätze und Gewinne von Unternehmen schmälern können. Niedrigere Aktienkurse sind die Folge.
Wie sich der erhöhte Leitzins tatsächlich auf den Aktienmarkt auswirkt, ist schwer vorhersehbar. Allerdings können Aktien oder Aktienfonds dennoch als Beimischung für das Anlageportfolio sinnvoll sein. Die Kurse können langfristig stark steigen.
Weitere Zinserhöhungen durch die EZB nicht auszuschließen
Um die Inflation in Europa unter Kontrolle zu bringen, könnte die EZB noch 2026 eine weitere Zinserhöhung vornehmen. Einige Finanzexperten rechnen mit einer Erhöhung des Leitzinses auf bis zu drei Prozent.
Ein Grund dafür sind die weiterhin steigenden Preise für Öl und Gas aufgrund der mit dem Iran-Konflikt verbundenen Lieferengpässe. Die EZB reagiert jedoch immer zeitlich verzögert mit einer Leitzinserhöhung, wenn die Preise steigen.
