Beim deutschen Mittelstand ist ein digitaler Rückstand zu verzeichnen, der für viele Unternehmen schwerwiegende Folgen haben könnte. Internationale Wettbewerber digitalisieren ihre Geschäftsmodelle konsequent. Die kleineren und mittleren Unternehmen nutzen hingegen häufig noch veralteter Technik.
Weitere Probleme bereiten regulatorische Hürden und Personalmangel. Nehmen mittelständische Unternehmen jetzt keine Digitalisierung vor, können struktureller Abstieg, mangelnde Investitionskraft und Arbeitsplatzabbau die Folgen sein.
Digitaler Rückstand beim deutschen Mittelstand
Die Digitalisierung ist mit Kosten verbunden, weshalb gerade die kleineren Unternehmen nicht oder nur wenig in die Digitalisierung investieren. Große Mittelständler investieren durchschnittlich jährlich 160.000 Euro, während die Investitionen der kleineren Unternehmen nur bei durchschnittlich 8.000 Euro im Jahr liegen.
Oft sind die Gründe für den digitalen Rückstand im Mittelstand miteinander verflochten. Eine fehlende strategische Ausrichtung der Bundesregierung und unklare Zuständigkeiten zählen zu den Hauptgründen. Es mangelt an einer Digitalagenda der Bundesregierung. Für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) ist das jedoch keine Ausrede.
Es sind vor allem KMU, die zu wenig in die Digitalisierung investieren und neue Technologien nur zögerlich aufgreifen.
Häufig investieren diese Unternehmen nur in Einzelmaßnahmen. Große Mittelständler stoßen deutlich häufiger Digitalisierungsprojekte an.
Ein wichtiger Grund für die mangelnde Digitalisierung im deutschen Mittelstand ist die Angst vor den hohen Kosten. Große Mittelständler mit mehr als 50 Mitarbeitern investieren im Schnitt das Zwanzigfache der kleineren Unternehmen. Die Kluft zwischen den großen und den kleineren Mittelständlern ist in der letzten Zeit noch größer geworden. Der Anteil der kleineren Unternehmen an Digitalisierungsinvestitionen lag 2016 noch bei 31 Prozent. Er liegt 2025 nur noch bei 20 Prozent.
Ein weiteres Problem ist die Komplexität der Umsetzung. Viele Unternehmen in anlageintensiven Branchen wie der Industrie fürchten tiefgreifende Veränderungen. Sie folgen noch veralteten Regelungen, da sie den Verlust von Arbeitsplätzen durch digitale Experimente fürchten.
Digitalisierung als Chance
Der digitale Rückstand im deutschen Mittelstand ist für die gesamte Volkswirtschaft ein Risiko. Für die mittelständischen Unternehmen ist es wichtig, die Chancen der Digitalisierung zu erkennen. Mit der Digitalisierung können Unternehmen nachhaltig wachsen, ihre Prozesse effizienter gestalten und neue Geschäftsmodelle erschließen. Für den wirtschaftlichen Erfolg Deutschlands ist die Digitalisierung ein wichtiger Faktor.
Fachkräftemangel und Regulierung als zentrale Probleme
Der Fachkräftemangel ist in Deutschland ein zentrales Problem, nicht nur im Mittelstand. Laut einer Analyse der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) erfüllen viele Bewerber die hohen Anforderungen an die Kompetenzen nicht. Von den digital aktiven Unternehmen können ungefähr 63 Prozent ihre offenen Stellen nicht besetzen.
Eines der größten Hemmnisse bei der Digitalisierung ist der Datenschutz. Auch der Schutz vor Cyberkriminalität und die Künstliche Intelligenz stellen Probleme dar. Deutschland liegt bei den KI-Patenten gegenüber führenden Nationen deutlich zurück. Bei KI weist Deutschland eine Exportschwäche auf. Die akademische Forschung ist in Deutschland jedoch leistungsfähig.
Opfer von Cyberkriminalität werden vor allem größere Unternehmen sowie Unternehmen mit hoher Angriffsfläche. Knapp jedes dritte mittelständische Unternehmen wurde von 2018 bis 2020 Opfer von Cyberkriminalität.

Deutscher Mittelstand als Fundament der deutschen Wirtschaft
Mit mehr als 99 Prozent der deutschen Unternehmen, die zu den KMU zählen, ist der deutsche Mittelstand das Fundament der deutschen Wirtschaft. Mehr als die Hälfte aller abhängig Beschäftigten sind im Mittelstand tätig. Das sind ungefähr 19 Millionen Menschen. Mehr als 70 Prozent der Auszubildenden werden im Mittelstand ausgebildet.
An der gesamten Wertschätzung hat der Mittelstand einen Anteil von mehr als 55 Prozent. Auch bei der regionalen Stabilität und der Innovation spielt der Mittelstand eine wichtige Rolle. Die Mittelständler sind fest in der Heimat verwurzelt, aber häufig global tätig. Oft handelt es sich um familiengeführte Unternehmen, die auf Nischenmärkte spezialisiert oder durch Tüftlergeist geprägt sind. Der Mittelstand ist anpassungsfähig, aber auch verwundbar.
Folgen des digitalen Rückstands für die Wirtschaft
Der digitale Rückstand im Mittelstand trifft nicht nur einzelne Unternehmen. Mangelnde Investitionen können zu gravierenden wirtschaftlichen Einbußen führen. Unternehmen riskieren ihre Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft. Sie gefährden Arbeitsplätze und den internationalen Wettbewerb.
Bei der Produktivität wird der Abstand zwischen den großen und den mittelständischen Unternehmen seit der Finanzkrise 2008 immer größer. Die Spaltung wird durch Automatisierung und Digitalisierung vorangetrieben.
Bei der Digitalisierung lassen sich viele mittelständische Unternehmen viel Zeit.
Um den Anschluss nicht zu verlieren, müssen die Unternehmen schneller und ehrgeiziger werden. Unternehmen in fortschrittlichen Ballungszentren liegen wirtschaftlich weit vorn. In strukturschwächeren Regionen fallen die Unternehmen hingegen immer weiter zurück. Der Rückstand in der Digitalisierung kann sich negativ auf den Wohlstand und die soziale Stabilität im ganzen Land auswirken.
Lösungsansätze für die Digitalisierung
Im Mittelstand ist der Wille zur Digitalisierung vorhanden, auch wenn der Weg steinig bleibt. Um die Digitalisierung voranzubringen, ist eine konsequente Neuausrichtung der Digitalpolitik erforderlich. Nicht nur die deutsche, sondern auch die europäische Politik muss handeln. Die regulatorischen Hürden müssen gelockert werden, damit die erforderlichen Investitionen tatsächlich fließen können.
Wichtig ist die Förderung von Wissen. Dafür müssen die Unternehmen in die Kompetenzen ihrer Mitarbeiter investieren. Ein wichtiger Hebel sind Weiterbildungsmaßnahmen. Viele Unternehmen bilden bereits ihr eigenes Personal weiter und machen auch Quereinsteiger fit für digitale Aufgaben.
KMU benötigen gezielte staatliche Unterstützung, um ihren digitalen Rückstand aufzuholen. Bestehende Programme müssen ausgebaut werden. Sie helfen den Unternehmen, konkrete Projekte umzusetzen, und erleichtern ihnen den Einstieg in digitale Technologien. Die Förderinstrumente müssen einfach zugänglich sein und schnell wirken.
