Verschiedene Schlösser in Europa waren einst prächtige Familiensitze und Orte von Ruhm und Macht. Heute sind sie Lost Places und haben ihren Glanz verloren. Darunter sind auch einige Schlösser in Deutschland. Es sind gerade ihre bröckelnden Fassaden, die Geschichten erzählen und Besucher anziehen.
Schlösser, deren Pracht verfällt
Viele Schlösser waren einst Familiensitze und eingebettet in prunkvolle Parks und Gärten. Im Laufe der Jahrhunderte haben sie jedoch ihren Glanz verloren, sind von Pflanzen überwuchert und dem Verfall preisgegeben.
Die einstigen Prachtbauten verfallen aus unterschiedlichen Gründen. Die Natur holt sich immer mehr zurück.
Wer diese Lost Places besuchen und etwas von dem Charme vergangener Zeiten erahnen möchte, sollte einiges beachten.
Die verlassenen Schlösser sind beliebte Fotomotive. Sie sind jedoch baufällig und sollten nicht betreten werden. Mitunter befinden sie sich noch in Privatbesitz. Wer sie besuchen möchte, sollte sich darüber informieren und gegebenenfalls Rücksprache mit dem Besitzer halten.
Das unfertige Schloss von Lapalice in Polen
Wie ein Märchenschloss sieht das Schloss von Lapalice in Polen aus, das noch gar nicht fertig ist. Es befindet sich etwa 40 Kilometer von Danzig am Rande eines Landschaftsschutzgebietes.
Der polnische Künstler Piotr Kauzimierczak wollte sich in den 1980er Jahren einen Traum erfüllen. Das Schloss sollte auf einer Fläche von 6.000 Quadratkilometern entstehen und über ein Schwimmbad, 52 Räume und einen Ballsaal verfügen. Da der Künstler jedoch gegen die Baugenehmigung verstoßen hatte, wurde ein Baustopp verhängt.
Der Künstler wollte das Schloss vor dem Verfall retten, doch bekam er Probleme mit den Behörden. Das Schloss ist jedoch ein beliebtes Ausflugsziel.

Kasteel de Borght in Belgien
Das Kasteel de Borght in Mechelen in Belgien befindet sich etwas abseits von den berühmten Sehenswürdigkeiten der Stadt, ist jedoch nicht weit vom Stadtzentrum entfernt. Bereits im 15. Jahrhundert wurde mit dem Bau begonnen, doch erst 1860 erhielt es seine heutige Form.
Das märchenhaft wirkende kompakte Schloss befindet sich in einer Parkanlage auf einer Anhöhe. Es ist von einem Wassergraben umgeben und verfügt über Schlafräume mit Eck-Kaminen, Stuckdecken, Salons und einen Weinkeller.
Das denkmalgeschützte Schloss steht für 2,5 Millionen Euro zum Verkauf, doch ist nicht bekannt, wer der aktuelle Besitzer ist.
Schloss Lowther in England
Die Ruinen des Schlosses Lowther befinden sich im Zentrum der Grafschaft Cumbria im Nordwesten Englands. Die Besitzerfamilie Lowther ließ einen abgelegenen Landsitz Ende des 17. Jahrhunderts großzügig zu einem Schloss ausbauen.
Da Hugh Cecil Lowther, der fünfte Erbe des Anwesens, aufgrund seines ausschweifenden Lebensstils sein Vermögen verprasst hatte, musste er das Schloss aufgeben. Das Schloss steht seit 1937 leer und wurde im Zweiten Weltkrieg als Quartier für ein Panzerregiment genutzt.
Da kein Käufer für das Schloss gefunden wurde, war es bis zur Jahrtausendwende dem Verfall preisgegeben.
Mit einem neu gegründeten Fonds wurde das Schloss wieder zu neuem Leben erweckt. Das Schloss und der dazugehörige Park können seit 2011 besichtigt werden.
Villa Sbertoli in Italien
Die Villa Sbertoli in Italien wurde im 19. Jahrhundert von Augustine Sbertoli zu einer psychiatrischen Klinik umgebaut. Ursprünglich wollte der Professor darin seinen Sohn pflegen, doch kamen dann weitere Patienten hinzu.
Eine im Turm aufbewahrte historische Sammlung von Ritterrüstungen, andere Erinnerungsstücke und die Innenausstattung der Kapelle sind zwischen 1941 und 1989 verschwunden. Die Fenster und Türen der Villa wurden zugemauert, um eine Verwüstung durch Obdachlose und Drogensüchtige zu verhindern.
Der Park der Villa ist seit 2015 öffentlich zugänglich. Die uralten Bäume, Wege und der Teich werden vom Tourismusverband Selnica gepflegt. Der Verein bepflanzt auch die Blumenbeete.
Schloss Wildhaus in Slowenien
Das Schloss Wildhaus befindet sich an der Drau in Slowenien, am westlichen Stadtrand von Maribor. Es ist ungefähr zehn Kilometer von der Burg Maribor entfernt und diente im 16. Jahrhundert als Mautstation und Handelsplatz. Es gelangte später in Privatbesitz und wurde im Zweiten Weltkrieg von den Nationalsozialisten als Frauengefängnis genutzt.
Das schöne Schloss wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von Jugoslawien beschlagnahmt und diente zunächst als Lazarett. Später war es eine Unterkunft für Piloten, dann ein Seniorenheim. Das Schloss steht seit 1989 leer.

Schloss Vlajkovac in Serbien
Das Schloss Vlajkovac befindet sich im gleichnamigen Dorf in Serbien, ungefähr 100 Kilometer westlich der Hauptstadt Belgrad. Es wurde 1859 unter Graf Djerdj Močonji als kleines Familienschloss errichtet. Die Tochter des Grafen brachte es als Hochzeits-Mitgift in die österreichisch-ungarische Adelsfamilie Bissingen-Nippenburg ein.
Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs blieb das Schloss in Familienbesitz. Die Sozialisten verstaatlichten es. Das Schloss diente als Kinderheim und bis 1953 als landwirtschaftliches Gut. Heute steht davon nur noch eine Ruine, die Obdachlosen als Schlafplatz dient.
Schloss Dwasieden auf Rügen
Das Schloss Dwasieden auf einer Anhöhe in der Nähe des Stadthafens von Sassnitz auf Rügen war ursprünglich das weiße Schloss am Meer. Es wurde bis zum Einmarsch der Roten Armee als Schiffsartillerie-Schule genutzt. Sowjetische Truppen sprengten es 1948 im Zuge der Bodenreform.
Die Ruine des fürstlichen Pferdestalls brannte 1997 aus.
Von den tempelartigen Pavillons sind heute noch einige Reste vorhanden. In den vergangenen Jahren gab es einige Entwicklungspläne für das Schloss, die jedoch scheiterten. Im Rahmen von historischen Führungen kann die Anlage besichtigt werden.
Schloss Vitzenburg in Sachsen-Anhalt
Das Schloss Vitzenburg in Sachsen-Anhalt war früher eine Burg, die bereits im achten Jahrhundert nach Christus schriftlich erwähnt wurde. Es befindet sich bei Querfurt über dem Unstrut-Tal und hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Das Schloss diente als Nonnenkloster, Mönchskloster und Benediktinerkloster. Später war es im Besitz verschiedener Adelsfamilien.
Sowjetische Besatzer beschlagnahmten das Schloss nach dem Zweiten Weltkrieg. Es wurde als Kinder- und Jugendheim genutzt, diente dann der Landwirtschaft und wurde später als Kinder- und Jugendpsychologie umfunktioniert.
Das Hauptgebäude steht seit 1996 leer. Die Kinder- und Jugendfilmreihe „Bibi und Tina“ wurde dort produziert. Besichtigungen des Schlosses sind aktuell nicht möglich.
