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Was hat es mit der Aktivrente in Deutschland auf sich und wer bekommt sie?

In Deutschland ist es für ältere Arbeitnehmer seit dem 1. Januar 2026 steuerlich vorteilhaft, über das Renteneintrittsalter hinaus zu arbeiten. Die Bundesregierung hat angesichts des Mangels an Fach- und Arbeitskräften ein Gesetz zur steuerlichen Förderung von Arbeitnehmern im Rentenalter initiiert. Mit der Aktivrente sollen finanzielle Anreize für eine höhere Erwerbstätigkeit im Alter geschaffen und das Wirtschaftswachstum gefördert werden.

Sinn und Zweck der Aktivrente

Die Aktivrente ist für Arbeitnehmer im Rentenalter vorgesehen, die noch einer Erwerbstätigkeit nachgehen. Viele Rentner sind noch körperlich und geistig in der Lage, zu arbeiten, und möchten ihre finanziellen Verhältnisse verbessern. Die Aktivrente schafft steuerliche Anreize dazu. Arbeitnehmer im Rentenalter bessern ihre Rente auf und müssen weniger Steuern zahlen.

Auch als Anstoß für das Wirtschaftswachstum in Deutschland soll die Aktivrente dienen.

Die Beschäftigung von mehr älteren Arbeitnehmern, die bereits das Rentenalter erreicht haben, soll die Produktivität steigern. In vielen Firmen stellen die älteren Beschäftigten eine Bereicherung dar, da sie mit ihrem Fachwissen und ihrer Erfahrung zum Gelingen beitragen. Sie können ihr Wissen an die jüngeren Kollegen weitervermitteln. Auch dem Fachkräftemangel soll mit dem Gesetz seitens der Bundesregierung begegnet werden.

Am 15. Oktober 2025 beschloss das Bundeskabinett den von Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) vorgelegten Gesetzentwurf. Die Zustimmung des Bundestags erfolgte am 5. Dezember 2025, die des Bundesrats am 19. Dezember 2025. Die Aktivrente trat am 1. Januar 2026 in Kraft.

Was ist die Aktivrente?

Die Aktivrente stellt einen steuerfreien Betrag dar: Beschäftigte, die das gesetzliche Regelalter (Vollendung des 67. Wer das betreffende Lebensjahr vollendet hat (für ältere Jahrgänge gelten Übergangsregeln) und sozialversicherungspflichtig beschäftigt ist, kann monatlich bis zu 2.000 Euro steuerfrei verdienen. Das ergibt einen jährlichen steuerfreien Betrag von bis zu 24.000 Euro.

Für Rentner, die die Aktivrente in Anspruch nehmen, gilt zusätzlich der steuerliche Grundfreibetrag, der im Jahr 2026 12.348 Euro beträgt. Monatlich gerechnet ergibt das 1.029 Euro. Personen, die außer ihrem Arbeitslohn keine weiteren steuerpflichtigen Einkünfte haben, können insgesamt bis zu 36.348 Euro jährlich (rechnerisch 3.029 Euro monatlich) steuerfrei verdienen. Wer schon eine Rente erhält, nutzt den Grundfreibetrag zunächst mit den Einkünften aus der Rente auf.

Die Bundesregierung gibt an, dass die Aktivrente Rentner jährlich um bis zu 890 Millionen Euro steuerlich entlastet.

Was ist die Aktivrente
Für Rentner, die die Aktivrente in Anspruch nehmen, gilt zusätzlich der steuerliche Grundfreibetrag, der im Jahr 2026 12.348 Euro beträgt Copyright: ©JackF #1393546011 – stock.adobe.com

Wer profitiert von der Aktivrente und wer nicht?

Die Aktivrente kann von Rentnern in Anspruch genommen werden, die bereits das gesetzliche Rentenalter erreicht haben und eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung haben, bei der der Arbeitgeber in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlt. Der Freibetrag gilt ab dem Monat, der auf das Erreichen der Regelaltersgrenze folgt. Es ist unerheblich, ob diese Beschäftigten schon eine Altersrente beziehen oder noch keine Rente erhalten und sich entschieden haben, über das Renteneintrittsalter hinaus zu arbeiten.

Wer seinen Renteneintritt hinauszögert, bekommt neben dem steuerlichen Vorteil für jeden aufgeschobenen Monat einen Zuschlag von 0,5 Prozent auf seine spätere Rente.

Von der Aktivrente ausgeschlossen sind:

  • Einkünfte aus Gewerbebetrieb sowie aus selbstständiger und freiberuflicher Tätigkeit
  • Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft
  • Bezüge von Beamten
  • Minijobber (Midijobs sind dagegen begünstigt)
  • Frührentner, die noch arbeiten, solange sie die Regelaltersgrenze nicht erreicht haben

Von ausschlaggebender Bedeutung ist die gegenwärtig ausgeübte Tätigkeit: Die Aktivrente kann von Personen in Anspruch genommen werden, die früher verbeamtet oder selbstständig waren und nach dem Erreichen der Regelaltersgrenze eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aufgenommen haben.

Die Anzahl der Menschen, die tatsächlich die Aktivrente in Anspruch nehmen werden, variiert laut verschiedenen Schätzungen. Im Juni 2025 schätzte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), dass etwa 230.000 bereits erwerbstätige Rentner direkt profitieren würden.

Bei der Berechnung der Steuerausfälle geht das Bundesfinanzministerium von etwa 168.000 Personen aus. Dies entspricht ungefähr einem Viertel der Anspruchsberechtigten.

Weil viele Neurentner vorzeitig in Rente gingen, können sie die Aktivrente zunächst nicht in Anspruch nehmen: Nur etwas mehr als 40 Prozent der Altersrenten, die 2024 neu begonnen wurden, waren Regelaltersrenten. Die restlichen, etwa 60 %, fingen vor dem Erreichen der Regelaltersgrenze an.

Steuern und Abgaben bei der Aktivrente

Monatlich bleiben bis zu 2.000 Euro des Arbeitslohns steuerfrei. Der Grundfreibetrag, der für alle anderen Einkünfte wie Renten angewendet wird, bleibt bestehen. Die Aktivrente zusammen mit dem Grundfreibetrag führen zu einem doppelten Freibetrag.

Bei der Aktivrente greift der Progressionsvorbehalt nicht. Dieser Punkt sorgte für Unstimmigkeiten zwischen Union und SPD. Der Steuersatz auf alle übrigen Einkünfte wird durch den steuerfreien Lohn im Rahmen der Aktivrente nicht erhöht.

Der steuerfreie Betrag bis zu 2000 Euro gilt pro Monat und kann nicht rückwirkend auf das Jahr übertragen oder zwischen den einzelnen Monaten verrechnet werden. Es ist auch nicht möglich, ihn zwischen Lohn und Rente zu verrechnen. Rentner, die erst später im Jahr wieder arbeiten, können den Freibetrag erst ab dem Monat nutzen, ab dem sie arbeiten. Für die Monate, in denen sie nicht gearbeitet haben, bekommen sie diesen Freibetrag nicht.

Rentner mit geringen Renteneinkünften können mitunter mit der Aktivrente mehr als 2.000 Euro monatlich steuerfrei hinzuverdienen.

Diejenigen, die jedoch eine höhere Rente beziehen und zusätzlich monatlich mehr als 2.000 Euro verdienen, müssen den Hinzuverdienst, der 2.000 Euro überschreitet, zu ihrem persönlichen Steuersatz besteuern.

Bei denjenigen, die monatlich weniger als 2.000 Euro hinzuverdienen, ist eine Verrechnung mit den Renteneinkünften ausgeschlossen. Bei einem monatlichen Verdienst von 1.400 Euro können Rentner die fehlenden 600 Euro nicht nutzen, um einen höheren Teil ihrer Rente steuerfrei zu stellen.

Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung werden weiterhin auf den aus der Beschäftigung resultierenden Lohn fällig. Sozialabgaben fallen auch auf die Rente weiterhin an. Die Beschäftigten sind jedoch ab dem Erreichen der Regelaltersgrenze von der Pflicht zur Einzahlung in die gesetzliche Renten- und Arbeitslosenversicherung befreit. Der Arbeitgeber leistet weiterhin Zahlungen für seinen Anteil an beiden Versicherungen.

Rentner haben die Möglichkeit, die Versicherungsfreiheit durch eine freiwillige Erklärung gegenüber ihrem Arbeitgeber aufzuheben und Beiträge zu zahlen. Die Rente erhöht sich dadurch. Dann hat auch der Arbeitgeberanteil, der ohnehin zu zahlen ist, eine rentensteigernde Wirkung, sodass die Beschäftigten von einer höheren Rente profitieren.

Steuern und Abgaben bei der Aktivrente
Rentner mit geringen Renteneinkünften können mitunter mit der Aktivrente mehr als 2.000 Euro monatlich steuerfrei hinzuverdienen Copyright: ©pikselstock #1614137651 – stock.adobe.com

Vorteile für Staat und Wirtschaft durch die Aktivrente

Es ist umstritten, ob die Aktivrente tatsächlich die erwarteten Vorteile für Staat und Wirtschaft bringt. Einwände von Kritiker:innen: In Sektoren, in denen es einen Mangel an Arbeitskräften gibt, sind die körperlichen und psychischen Belastungen für die Beschäftigten häufig hoch. In diesen Branchen gibt es nur eine geringe Zahl an Personen, die bis zur Regelaltersgrenze arbeiten möchten. Außerdem ist unklar, wie viele Arbeitgeber bereit sind, gezielt Personen im Rentenalter zu beschäftigen, da sie mit einem höheren Krankenstand rechnen müssen.

Die Aktivrente bringt nicht nur Vorteile für die Wirtschaft und den Staat mit sich. Schätzungen des Bundesfinanzministeriums zufolge entgehen jährlich etwa 890 Millionen Euro der Steuerkasse. Die Aufteilung sieht vor, dass Bund und Länder jeweils 42,5 % erhalten, während die Kommunen 15 % erhalten. Der Bundesrat schätzte die finanziellen Einbußen der Länder für die Jahre 2026 bis 2030 auf etwa 1,9 Milliarden Euro und die der Gemeinden auf etwa 0,7 Milliarden Euro. Er verlangte einen Ausgleich durch den Bund.

Die Bundesregierung erwartet, dass sich durch die Aktivrente höhere Steuereinnahmen ergeben, da diese einen positiven Einfluss auf das Wirtschaftswachstum haben soll. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) schätzt die Mindereinnahmen auf bis zu 1,4 Milliarden Euro, während das DIW eine Summe von etwa 800 Millionen Euro errechnet hat.

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