Viele Gespräche, darunter Gehaltsverhandlungen, aber auch Gespräche mit Freunden oder Nachbarn, beginnen mit guten Absichten. Dennoch sind sie unproduktiv und enden mitunter mit Verwirrung. Sie führen nicht zum gewünschten Ergebnis. Es gibt verschiedene Gründe, warum diese Gespräche scheitern.
Keiner der Gesprächspartner sucht einen Streit, doch passiert es, dass Gespräche in einem Streit enden. Es gibt jedoch Möglichkeiten, festgefahrene Gespräche voranzubringen oder von vornherein bessere Gespräche zu führen.
Gründe, warum Gespräche scheitern
Gustavo Razzetti, ein Unternehmensgründer, Autor und Berater aus den USA, ist der Meinung, dass jeder Austausch die Beteiligten weiterbringen kann, mindestens zu einem gewissen Grad. Dabei gilt es, drei gängige Muster zu vermeiden.
Die Beteiligten weichen häufig einem Thema aus oder konzentrieren sich mehr auf die Vergangenheit als auf die Gegenwart oder die Zukunft. Es ist wichtig, dass alle Teilnehmer zukunftsgerichtet denken und auf das Kernthema eingehen.
Schuldzuweisungen ohne Blick nach vorn
Die Gesprächsteilnehmer behandeln laut Gustavo Razzetti bei Schuldzuweisungen zwar das Thema, doch sie vergessen den Blick nach vorn. Die Verantwortung laden sie an jemanden anderen ab und glauben, dass sie damit ihre Aufgabe erfüllt haben.
Derjenige, der einem anderen die Schuld zuweist, gesteht seine eigene Verantwortung nicht ein und will damit suggerieren, dass sich ein anderer nicht ausreichend mit der Sache beschäftigt hat. Solche Schuldzuweisungen lauten beispielsweise: „Das siehst du falsch“ oder „Das hast du vergessen“.
Um das Gespräch am Laufen zu halten und doch noch zum Ziel zu kommen, gilt es, darauf einzugehen, was das eigentliche Problem ist.
Dabei kommt es nicht darauf an, wer die Schuld hat. Es ist auch wichtig, sich in die Lage des anderen hineinzuversetzen und versuchen, zu verstehen, was dessen Position begründet. Do könnte zwischen allen Beteiligten ein interessanter Austausch angeregt werden.
Vermeidung – wenn dem Thema ausgewichen wird
Bei der Vermeidung weichen Gesprächsteilnehmer dem Thema aus und denken nicht an die Zukunft. Typisch sind Sätze wie „Das gehört hier nicht her“ oder „Lass uns später darüber reden“. Häufig neigen konfliktscheue Menschen zur Vermeidung. Durch die Vermeidung führt das Gespräch nicht zum Ziel. Derjenige, der vermeidet, geht oft mit einem Gefühl der Unzufriedenheit aus dem Gespräch.
Um zum Ziel zu kommen, ist es wichtig, die Vermeidung aufzuspüren. Derjenige, der dazu neigt, zu vermeiden, sollte überlegen, welche zwischenmenschlichen Themen er in der letzten Zeit aufgeschoben hat und wie oft er darüber nachgedacht hat.
Mitunter verfallen Dinge oder erledigen sich von selbst, ohne dass sie angesprochen werden. Es ist jedoch häufig einfacher, sich intensiver damit zu beschäftigen und den Konflikt auszutragen. Das führt schneller ans Ziel.

Gruppendenken – den eigenen Beitrag für sich behalten
Gustavo Razzetti bezeichnet mit Gruppendenken, dass die Teilnehmer des Gesprächs ihre ehrliche Sichtweise und ihren ehrlichen Beitrag für sich behalten. Sie wollen sich damit zugehörig und mit den anderen verbunden fühlen.
Eine Zukunftsorientierung ist zumeist gegeben, doch das Gespräch weicht dem Thema aus. Zustimmen, Nicken und Einigkeit sind Anzeichen für das Gruppendenken. Die Beteiligung am Gespräch ist eher gering.
Um das Gruppendenken zu vermeiden, sollten die Teilnehmer die Gesprächssituation aus der Außenperspektive betrachten. Sie sollten überlegen, was Unbeteiligte von dem Austausch halten würden.
Gespräche scheitern oft nicht am Inhalt
Häufig scheitern Gespräche nicht am Thema, sondern daran, welche Bedeutungen Worten, Pausen oder Tonlagen beigemessen werden. Solche Bedeutungen wirken häufig unbewusst und entstehen aus früheren Erfahrungen.
Das liegt daran, dass das emotionale Erleben schneller als der Verstand reagiert.
Menschen reagieren auf das, was sie sich eingeprägt haben. Eine Pause kann als Ablehnung empfunden werden, da eine frühere ablehnende Haltung damit aktiviert wird. Dabei kann die Pause harmlos sein.
Auf die Haltung kommt es an
Unterstützend können Gesprächstechniken wirken. Es kommt jedoch auch auf eine tragfähige Haltung an. Die Gesprächsteilnehmer sollten ihre eigene Reaktion wahrnehmen, bevor sie bewertet wird.
Dem Gegenüber sollte keine Absicht unterstellt werden. Schutz ist kein Angriff, sondern nur eine Strategie. Schutz und Rückzug stellen nicht automatisch Ablehnung dar. Die richtige Haltung führt auch in angespannten Situationen zu Orientierung. So können Gespräche geführt werden, ohne dass sie kontrolliert werden müssen.
