Die Earth Night, die Nacht der Erde, setzt ein Zeichen gegen die Lichtverschmutzung. Die Sterne vom Nachthimmel werden durch das künstliche Licht bedroht, was auch Folgen für Natur und Menschen hat.
Was ist die Earth Night?
Die in jedem Jahr am 19. September stattfindende Earth Night wurde von den Paten der Nacht, einer gemeinnützigen Organisation, ins Leben gerufen. Ab Einbruch der Dunkelheit soll in dieser Nacht im Freien das Kunstlicht reduziert werden. In vielen Städten werden die Gebäude nicht angestrahlt.
Kunstlicht als Leuchtreklame oder Straßenbeleuchtung kann laut Christopher Kyba, der am GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung in Potsdam und in Bochum an der Ruhr-Universität als Umweltforscher tätig ist, schwerwiegende Folgen haben.
Hat künstliches Licht ein Ausmaß angenommen, das sich negativ auf die Umwelt auswirkt, handelt es sich um Lichtverschmutzung.
Das Licht kann direkt blenden, doch kann es auch zu einem Skyglow kommen. Beim Skyglow streut sich das von der Erde nach oben gestrahlte Licht und wird zurückgeworfen. Das kann zu Lichtglocken über den Städten führen.
Himmel hellt sich in jedem Jahr um zehn Prozent auf
Unter Leitung von Christopher Kyba fand eine internationale Studie über die Zunahme der Lichtverschmutzung statt. Weltweit wurden Menschen zur Beobachtung des Nachthimmels aufgerufen. Die Studienteilnehmer sollten festhalten, wie viele Sterne für sie sichtbar waren.
Die Forscher sammelten von 2011 bis 2022 mehr als 50.000 Beobachtungen. Die Zahl der sichtbaren Sterne waren das Maß für die Lichtverschmutzung. Die Forscher kombinierten die gesammelten Daten mit einem globalen Modell für die Himmelshelligkeit auf der Basis von Satellitendaten.
Im Jahr 2023 veröffentlichten die Wissenschaftler das Ergebnis der Studie in der Fachzeitschrift Science. Weltweit wurde die Nacht im Durchschnitt jährlich um fast zehn Prozent heller. Die Sterne verschwanden immer mehr vom Himmel. Christopher Kyba spricht davon, dass die Zahl der sichtbaren Sterne massiv abgenommen hat. Selbst die Forscher waren von der Geschwindigkeit der Entwicklung überrascht.
Diese Entwicklung könnte sich künftig noch verstärken, wenn sich die Nutzung von künstlichem Licht nicht ändert. Sind an einem Ort, an dem heute ein Kind geboren wird, noch 250 Sterne sichtbar, könnten laut Prognose der Forscher dort am 18. Geburtstag dieses Kindes nur noch 100 Sterne zu sehen sein.
Auswirkungen von Lichtverschmutzung auf das Leben auf der Erde
Die Lichtverschmutzung betrifft nicht nur den Nachthimmel, sondern sie beeinträchtigt auch das Leben auf der Erde. Pflanzen und Tiere konnten sich während der Evolutionsgeschichte aufgrund natürlicher Lichtbedingungen entwickeln. Dazu gehören der Wechsel zwischen Tag und Nacht, der Mondzyklus und das Licht der Sterne.
Dieser natürliche Rhythmus wird durch die Lichtverschmutzung gestört. Die Orientierung von Zugvögeln wird durch das künstliche Licht beeinträchtigt, sodass sie von ihrem Kurs abkommen. Weibliche Glühwürmchen können ihre Partner nicht mehr so leicht anlocken.
Bäume in der Nähe von Straßenlaternen sind anfälliger gegen Frost und werfen später ihr Laub ab. Wie es Christopher Kyba auf den Punkt bringt, hat das von Menschen genutzte Licht Konsequenzen für andere Organismen.

Auswirkungen der Lichtverschmutzung auf die menschliche Gesundheit
Die Lichtverschmutzung hat auch negative Folgen für den Menschen. Mehr als 80 Prozent der Weltbevölkerung leben laut einer Studie aus 2016 in der Nacht unter zu hellen Bedingungen. In Europa und den USA sind es sogar 99 Prozent. Der Biorhythmus des Körpers kann aus dem Gleichgewicht geraten, wenn der Mensch in der Nacht zu viel künstlichem Licht ausgesetzt ist. Das kann zu Stress und Schlafstörungen führen. Das Risiko für Depressionen, Bluthochdruck, Diabetes oder Krebs steigt.
Die Lichtverschmutzung wird durch den weltweiten Wechsel zu LED-Licht verstärkt. LED-Lampen sind günstiger und sparen Energie, doch im Vergleich zu herkömmlichen Glühlampen ist der Blaulichtanteil oft höher. Das Gesamtniveau an künstlichem Licht steigt, da es gelingt, für weniger Geld mehr Licht zu produzieren.
Gibt es künftig keine Sterne mehr am Nachthimmel?
Laut Christopher Kyba waren unsere Vorfahren mit dem Kosmos konfrontiert, wenn sie nachts nach draußen gingen. Der Himmel war von Sternen erleuchtet. Die Milchstraße, Kometen und Polarlichter waren sichtbar.
Ein großer Teil der Menschheit lebt heute bereits unter einem Himmel mit Kunstlicht.
Aufgrund der Lichtverschmutzung wird die Begegnung mit dem Kosmos immer seltener. Dabei drängt sich die Frage auf, was mit der menschlichen Psyche geschieht, wenn den Menschen die universelle Erfahrung mit dem Kosmos verlorengeht.
Wie kann die Lichtverschmutzung künftig vermieden werden?
Eine Pauschallösung für die Beleuchtung und die Vermeidung der Lichtverschmutzung gibt es nicht. Die Beleuchtung sollte auf die Bedürfnisse der jeweiligen Situation abgestimmt werden. Parkplätze und Werbeanzeigen müssen nicht beleuchtet sein, wenn sich an diesen Orten nachts keine Menschen aufhalten.
In Fulda wird Streulicht vermieden, indem das Licht von Straßenlaternen nach unten gelenkt und abgeschirmt wird. Das Licht wird in verkehrsschwachen Zeiten ganz abgeschaltet oder gedimmt. Der Anteil an Blaulicht wird durch Lampen in Warmweiß reduziert.
