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Wie verändert Musik das Gehirn?

Musik weckt Erinnerungen und löst Emotionen aus. Filmmusik kann zu Tränen rühren, nach einem Rockkonzert sind Menschen aufgekratzt. Bildgebende Verfahren können darstellen, was beim Musikhören oder Musizieren im Gehirn passiert. Musik kann nicht nur Stress reduzieren, sondern ist auch Training für das Gehirn.

Wie Musik in das Gehirn gelangt

Musik gelangt über das Innenohr ins Gehirn. Der Gehörnerv leitet den Schall an den Hirnstamm weiter. Er gelangt in den Hörkortex und wir in mehreren Stationen verarbeitet, gefiltert und ergänzt.

Im Gehirn gibt es kein spezielles Musikzentrum. An der Verarbeitung von Musik sind der auditorische Kortex, das Broca-Areal als eines der beiden Sprachzentren sowie motorische und visuelle Areale beteiligt. Menschen stellen sich oft eine bestimmte Szene wie eine Band auf der Bühne beim Musikhören vor. Eine wichtige Rolle beim Musikhören spielen auch das Emotionszentrum und das Belohnungssystem.

Menschen nehmen Musik unterschiedlich wahr. Das individuelle Musikerlebnis wird von den bisherigen Erfahrungen geprägt. Ein Musikstück kann bei verschiedenen Menschen abhängig von deren Erinnerungen unterschiedliche Emotionen auslösen.

Nicht jeder kann Musik genießen

Musikliebhaber schwärmen von Konzerten und sind von bestimmten Musikrichtungen begeistert. Es gibt jedoch auch Menschen, die Musik überhaupt nicht genießen können und gegen jede Wirkung von Musik immun sind, wie Neurowissenschaftler der Universität Barcelona im Jahr 2014 herausgefunden haben.

Die Unfähigkeit, Musik zu genießen oder Freude zu empfinden, wird als Anhedonie bezeichnet.

Die Teilnehmer der Untersuchungen konnten zwar erkennen, ob Musik traurig oder fröhlich ist, doch konnten sie sich nicht von den Gefühlen anstecken lassen. Forscher vermuten, dass das Belohnungssystem dieser Menschen anders arbeitet.

Ausschüttung von Endorphinen beim Musikhören und Musizieren

Sowohl beim Musikhören als auch beim Musizieren werden die körpereigenen Glückshormone, die Endorphine, ausgeschüttet. Das Stresshormon Cortisol verringert sich. Musikhören und Musizieren lösen dieselben Effekte im Gehirn aus wie Essen, Drogen, Sex oder Sport. Der Neurotransmitter Cortisol wird verstärkt ausgeschüttet, der motivierend wirkt und wichtig ist für das Belohnungszentrum im Gehirn.

Die Ausschüttung von Oxytocin wird beim Musizieren mit anderen Personen oder bei einem gemeinsamen Konzertgenuss angeregt. Oxytocin fördert Sympathie und Vertrauen zwischen Personen.

Die Veränderungen der Hirnchemie beim Musikhören und Musizieren können Stress abbauen, Schmerz blockieren und positive Emotionen auslösen. Wer traurig oder wütend ist und dabei Musik mit derselben Stimmung hört, kann ebenfalls von einem besseren Wohlbefinden profitieren.

Ausschüttung von Endorphinen beim Musikhören und Musizieren
Sowohl beim Musikhören als auch beim Musizieren werden die körpereigenen Glückshormone, die Endorphine, ausgeschüttet Copyright: ©Yakobchuk Olena #187379619 – stock.adobe.com

Unterschiedliche Verarbeitung verschiedener Musik

Das Muster der Hirnaktivität verrät, welche Musik gehört wird. Ein Forscherteam der Universität von Iyväskylä in Finnland untersuchte im August 2013 die Hirnaktivität bei verschiedenen Musikgenres. Den Teilnehmern wurden mehrere unterschiedliche Musikstücke vorgespielt, darunter ein Stück von den Beatles, Blues, Ausschnitte aus einem Vivaldi-Konzert und ein argentinischer Tango.

Die Teilnehmer lauschten der Musik. Dabei wurden ihre Hirnaktivitäten mit einem fMRT aufgezeichnet. Einige Areale wurden von allen Musikrichtungen aktiviert, andere sprachen nur auf bestimmte Musikrichtungen verstärkt an. Bei komplexen Musikstücken ist der rechte Schläfenlappen verstärkt aktiv. Handelt es sich um Lieder mit Text, ist überwiegend die rechte Hirnhälfte aktiv.

Strukturelle Einflüsse von Musik auf das Gehirn

Musik beeinflusst das Gehirn nicht nur chemisch, sondern auch strukturell. Die Nervenzellen im Gehirn werden durch musikalische Reize verschaltet. So können sich die Hirnareale besser miteinander vernetzen.

Gehirne von Berufsmusikern unterscheiden sich von denen von Nicht-Musikern.

Das Corpus Callosum, die Verbindung zwischen den beiden Hirnhälften, ist bei Profi-Musikern deutlich stärker ausgeprägt. Die beiden Hirnhälften kommunizieren vermutlich besser miteinander. In den Gehirnen von Musikern befindet sich mehr graue Substanz in den für Hören, räumliches Sehen und Motorik zuständigen Bereichen.

Musizieren als Gehirntraining

Musizieren stärkt verschiedene Gehirnbereiche gleichzeitig. Dadurch können Probleme kreativer und effektiver gelöst werden. Im Gegensatz zum Musikhören erfordert das Musizieren die feinmotorischen Fähigkeiten. Dafür sind beide Gehirnhälften gefordert.

Musizieren fördert die sprachliche und mathematische Präzision in der linken Gehirnhälfte. Dabei fließen neue und kreative Inhalte ein, die für die rechte Gehirnhälfte charakteristisch sind.

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