Fast jeder hat schon mindestens einmal einen Vielredner als Gegenüber gehabt, der pausenlos redet und den anderen nicht zu Wort kommen lässt. Eine gleichberechtigte Kommunikation ist damit nicht möglich. Viele Menschen fühlen sich von dem Redefluss überfordert, genervt oder sogar ausgeliefert.
Es gibt verschiedene Tricks, mit denen solche Talkaholics gestoppt werden können. Wer diese einseitige Gesprächssituation ändern möchte, muss dabei nicht unhöflich wirken.
Der starke Drang, sich mitzuteilen
Einige Menschen merken gar nicht, dass sie andere damit überfordern, wenn sie ununterbrochen reden. Sie werden als Vielredner oder Talkaholics bezeichnet und haben einen starken Drang, sich mitzuteilen. Sie bieten kaum Raum für eigene Gedanken und dominieren mit langen Monologen.
Signale wie höfliches Nicken werden von den Vielrednern als echtes Interesse gedeutet.
Daher glauben diese Menschen häufig, dass der Redefluss in Ordnung ist, und reden ohne Punkt und Komma weiter.
Ursachen für das starke Redebedürfnis
Es kann verschiedene Ursachen haben, wenn jemand viel redet und den anderen nicht zu Wort kommen lässt:
- Ein geringes Selbstwertgefühl kann zu einem erhöhten Bedürfnis nach Aufmerksamkeit führen. Mit ihrem Redefluss überspielen diese Menschen ihre Unsicherheit oder erhoffen sich Bestätigung.
- Das übermäßige Reden kann eine Persönlichkeitseigenschaft sein. In ihrer Kindheit wurde diesen Menschen oft nicht zugehört. Sie kompensieren das im Erwachsenenalter mit einem verstärkten Redefluss und erwarten, dass ihnen andere zuhören. Sie können es jedoch auch gewohnt sein, dass ihnen immer zugehört wird und sie im Mittelpunkt stehen.
- Einsamkeit kann ein Grund sein, dass sich Menschen mitteilen möchten, wenn sie in Gesellschaft sind, und dann ununterbrochen reden. Sie wollen das Angestaute nach außen lassen.
- Im Alter reden manche Menschen verstärkt auf andere ein und haben den Drang, über ihre Erfahrungen zu sprechen. Das ist oft gut gemeint, denn sie denken, dass die Zuhörer davon profitieren könnten.
- Ein Grund für den Redeschwall kann eine erhöhte Aktivität im Gehirn sein. Der für die Sprachverarbeitung und Sprachproduktion zuständige präfrontale Cortex kann übermäßig stimuliert werden, was zu einem impulsiven Gesprächsverhalten führt.
- In der Medizin wird eine intensive Form des Redezwangs als Logorrhoe bezeichnet. Das übermäßige Reden wird zum Zwang. Die Logorrhoe ist eine Begleiterscheinung einer psychischen oder neurologischen Erkrankung. Sie kann durch den Konsum von Drogen oder Alkohol begünstigt werden.

Menschen in ihrem Redefluss stoppen
Wenn das Zusammensein mit einem Vielredner unangenehm und zur Belastung wird, ist es auf verschiedene Weise möglich, ihn in seinem Redefluss zu stoppen. Verschiedene Strategien können die unangenehme Situation aufbrechen, ohne dass jemand dabei unhöflich wirkt. So ist es möglich, selbst zu Wort zu kommen und die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.
Grenzen setzen
Das Gespräch soll kein Monolog, sondern ein gegenseitiger Austausch sein. Um das dem Vielredner zu verdeutlichen, muss er zunächst freundlich in seinem Redefluss unterbrochen werden. Man kann ihm erklären, dass man selbst auch zu Wort kommen möchte und etwas zu sagen hat.
Es ist auch sinnvoll, dem Talkaholic mitzuteilen, dass man in Zeitdruck ist und daher nicht länger bereit ist, zuzuhören.
Veränderung der Gesprächsposition
Der übermäßige Redefluss einer Person kann darin begründet sein, dass sie sich überlegen fühlt. Sie wird als Experte wahrgenommen, wenn sie über sich spricht.
Der Vielredner bewahrt seine Expertise, indem er den Fokus auf seine Erfahrungen und Aktivitäten legt.
Die Situation kann durch eine Veränderung der Gesprächsposition geändert werden. Das Gespräch kann auf ein Thema gelenkt werden, bei dem der andere Gesprächsteilnehmer mehr Erfahrungen hat.
Kleine Gruppen
Die Beteiligung an Gesprächen kann entscheidend durch die Gruppengröße beeinflusst werden. Ist die Gruppe größer als sechs Personen, kommen oft einige Gruppenmitglieder gar nicht oder nur kurz zu Wort.
Um eine gleichberechtigte Teilhabe am Gespräch zu fördern, ist es sinnvoll, die Gruppe in zwei, drei oder vier Personen und in mehrere kleinere Gespräche aufzuteilen.

Zurück zum Thema
Auf das Thema eines Gesprächs reagieren die meisten Menschen, wenn sie sich damit identifizieren. Sie teilen kurz ihre eigenen Erfahrungen mit und beziehen sich auch auf die Interessen der Gruppen.
Wer viel von sich selbst erzählt, konzentriert sich nicht auf das eigene Thema. Er legt nur dar, wie er zu diesem Thema steht. Um dessen Redefluss zu stoppen, ist es wichtig, auf eine Sprechpause zu warten und dann wieder den Fokus auf die Person zu lenken, die zuerst das Thema angesprochen hat.
Weniger Redundanz
Manche Personen erzählen viel zu lange von einem Thema und wiederholen sich dabei ständig.
Um sie im Redefluss zu stoppen, kann das Gegenüber einer solchen Person mitteilen, was sie schon erzählt hat oder was es selbst schon weiß.
Das Gegenüber kann nun selbst zu diesem Thema sprechen.
Direkt ansprechen
Es ist nicht unhöflich oder verwerflich, mit dem richtigen Ton eine Person direkt auf ihren übermäßigen Redefluss anzusprechen. Es geht nicht darum, dieser Person Vorwürfe zu machen.
Man kann dem Vielredner sagen, dass man selbst keine Gelegenheit hat, etwas zu erzählen, oder dass man gerade nicht mehr konzentriert zuhören kann, da die Person bereits über längere Zeit redet. Der Vielredner sollte dabei nicht vor der Gruppe blamiert oder kritisiert werden.
Änderung des eigenen Verhaltens
Um Vielredner nicht unbewusst zu ermutigen, weiterhin das Gespräch zu dominieren, kann es sinnvoll sein, das eigene Verhalten zu ändern. Nicken, Lächeln, aber auch Zeichen der Ungeduld können Talkaholics dazu bewegen, ohne Pause weiterzureden. Mit einem neutralen Gesichtsausdruck und dem Verzicht auf Mimik und Gestik fehlt dem Vielredner das Gegenüber im Gespräch. Das Heben der Hand kann signalisieren, dass man selbst etwas sagen möchte.
